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Junggesellinnenabschied in Frankfurt

oder: Mutti on tour ;-)


Letztes Wochenende war für mich ein sehr besonderes. Nach 13 Monaten mit Kind kam der große Tag, an dem ich das erste Mal über Nacht weg sein sollte. Und weg war auch wirklich weg. Ich war nämlich in Frankfurt und feierte den Junggesellinnenabschied einer Freundin mit einer tollen Mädels-Runde.
Aber von vorne: Im Vorfeld hatte ich lange überlegt, ob ich an diesem Event teilnehmen sollte, kam aber unweigerlich zu dem Schluss: Auf jeden Fall! Denn: Erstens kannte ich Frankfurt nicht. Zweitens hatte ich die Braut in spe ewig nicht gesehen. Und drittens musste ich dringend mal rauskommen. Viertens fand ich es gut, dass der Gatte so um die 30 Stunden alleine mit Joris verbringen konnte. Fünftens handelte es sich um keinen gewöhnlichen Junggesellinnenabschied mit Bauchladen und Co., sondern um ein nettes Kennenlerntreffen mit Stadtführung, Kaffeetrinken und Clubbesuch am Abend.
Also wurden schon Monate im Voraus Zugtickets gebucht. Samstag um 10 wurde ich dann von meinen Männern zum Bahnhof gebracht und stieg in den ersten Zug Richtung Essen. Ich war schon sehr gespannt, was mich an diesem Tag mit der Deutschen Bahn erwartete.
Im Zug
 Es kam dann auch wie es kommen musste. Kurz vor dem Ruhrgebiet standen wir auf freier Strecke. "Liegen gebliebener Zug vor uns" hieß es. Da mir in Essen nur elf Minuten zum Umsteigen blieben und die Fahrt nach zehn Minuten seeehr zögerlich weiter ging, schwand die Hoffnung auf meinen Anschlusszug. Aber vielleicht hatte der ja auch Verspätung, dann würde es wieder passen - so dachte ich. In Essen spurtete ich auf Gleis 1 (Sprints sind wirklich nicht meine Stärke) und tatsächlich - der ICE stand da noch. Jippieh! Nach Luft ringend ließ ich mich auf den nächsten freien Platz fallen und schnaufte erstmal durch. Bis mein Blick auf die Fahrplaninformation fiel: Stuttgart?! Öhm. Nach mehrmaligem Durchblättern fand ich immer noch keinen Halt in Frankfurt. Shit, ich saß im falschen Zug.
Also auf zum Schaffner: "Ich glaube, ich bin im falschen Zug?!"Einen wissenden Blick auf mein Ticket werfend sagte der: "Ja, also das sind wir schon mal nicht." Ich: "Wo ist denn mein Zug?" Er: "So vier Minuten vor uns." So ein Mist, wenn Mutti schon mal eine Reise tut. Das ist mir wirklich noch nie passiert. Immerhin war der gute Mann sehr freundlich und suchte mir die nächste Verbindung raus. Ich also beim nächsten Halt in Duisburg raus aus dem Zug und zum Servicepoint - einen Stempel abholen, dass die Zugbindung aufgehoben ist. Der nächste Zug kam wiederum zehn Minuten später als angekündigt - tschüss "Pünktlich in Frankfurt ankommen"!
Alle anderen waren schon lange im Hotel und fieberten über WhatsApp mit mir mit. Was hat man eigentlich früher ohne Internet unterwegs gemacht?
Dach des Frankfurter Hauptbahnhofes
Nun, die restliche Fahrt lief okay und um 14.30 Uhr (eine dreiviertel Stunde später als geplant) kam ich dann auch am Frankfurter Hauptbahnhof an. Zum Glück lag das Hotel Europa Style, in dem die Trauzeugin und Hauptorganisatorin Zimmer für uns reserviert hatte, supernah am Bahnhof und nach fünf Minuten Fußweg war ich schon da. Schnell eingecheckt und die Tasche aufs Zimmer gebracht, dann ging auch schon die Tram Richtung Römer, wo die gebuchte Stadtführung bereits angefangen hatte.
Auf dem Weg mit dem öffentlichen Nahverkehr begegneten mir übrigens noch zwei, drei andere zukünftige Bräute - verkleidet mit Schleier und Schnapskörbchen oder Bauchladen. Geht mit über 30 irgendwie gar nicht mehr.
Die Stadtführung sollte uns erstmal ins 16., 18. und 19. Jahrhundert entführen, denn wir wandelten mit Historikerin Silke Wustmann auf den Spuren Frankfurter Liebespaare. Passend dazu hatte sich unser Brautpaar eben auch hier kennengelernt.
Das steinerne Haus
Fassade mit Friedrich Stoltze
Frau Wustmann war jedenfalls eine Wucht. Schön, wenn jemand in seinem Beruf auch seine Berufung gefunden hat. Nach dem dritten: "So, und ab jetzt nur noch die Wahrheit und nichts als die Wahrheit" konnten wir alle ihre eigene Aussage "Historiker sind eben etwas skurril" voll unterschreiben. Lustig war die Führung auf jeden Fall. Und gelernt habe ich auch wieder was: Über Friedrich Stoltze und den Frankfurter Heiratszwang, den Rententurm und politisch aktive Frauen.
Da so eine Führung durstig macht und man sich währenddessen nicht wirklich unterhalten kann, kehrten wir im Anschluss ins Café Walden ein. Hier gab es Kaffee und rosafarbenen Sekt für uns und einen Wickeltisch für das acht Wochen alte Baby, das uns begleitete. Ich habe immer noch großen Respekt, dass die Mama mitgekommen ist und die kleine Maus einfach mitgenommen hat. Mit Joris wäre das "damals" (ist ja nun auch schon etwas her) nicht gegangen. Da wäre niemand von uns glücklich gewesen.
Ebenfalls beeindruckt hat mich die Trauzeugin, die diesen Tag organisiert und einfach an alles gedacht hatte. Außer an Baguette (Achtung, Insider!), das mussten wir später noch kaufen. Im Café zauberte sie das Buch Ja, ich trau mich aus dem Hut, das für große Erheiterung sorgte und uns den Rest des Tages treue Dienste leistete. Wenn man die anderen Mädels nicht so gut kennt, ist so ein Buch ein guter Eisbrecher und man hat immer ein Gesprächsthema. Mit den Challenges haben wir es allerdings nicht so genau genommen. Die Braut musste keine Waschzettel aus Männerhosen schneiden.
Nach dem Sekt ging es beschwingt an den Main. Auf dem Weg wurde die Trauzeugin ("Wir brauchen noch Baguette.") fündig und trug neben Buch, Instax-Kamera und allerlei Kleinigkeiten also auch noch ein Brot durch die Stadt.
Braut wirft Schlüssel ins Wasser
Am Eisernen Steg wurde die Braut mit einem Liebesschloss überrascht, das sie gleich anbringen konnte. Der Schlüssel landete im Wasser. Einer ewig währenden Liebe steht also nichts mehr im Wege ;-)
Gewitterwolke am Main
Überrascht wurden wir alle dann auch noch vom Wetter. Die ganze Zeit war es trocken und teils wirklich schön gewesen, dann wurde es dunkel. Aber so richtig.
Skyline mit Gewitterwolke
Der Weg zum Hotel war nicht weit, drum sputeten wir uns. Petrus hatte allerdings kein Einsehen und gerade als wir gegenüber des Hotels angekommen waren goss es aus Eimern. Im Sprint (schon der zweite an diesem Tag) ging's über drei Ampeln und zwei Straßenbahnlinien in die Lobby. Das Baby in der Manduca ist wohl am trockensten von allen geblieben. Egal.
Picknick-Buffet
Statt des eigentlich geplanten Picknicks wurde das Buffet im Zimmer aufgebaut: Bulgur-Salat, Oliven, Hackbällchen, Blätterteigtaschen, gefüllte Weinblätter, getrocknete Tomaten, diverse Brotaufstriche und ... und ... und Baguette. Weibliche Junggesellenabschiede unterscheiden sich doch sehr von männlichen. Verhungert sind wir also definitiv nicht. Dazu gab es weitere Rosé-Getränke, um der Farbe des Tages treu zu bleiben.
Cocktailbar
Ein paar Selfies und Instax-Fotos später ging's zu Fuß zur Lynx Cocktail-Bar, die allerdings etwas enttäuschte. Wer diverse Gin-Sorten auf der Karte hat, sollte eventuell auch ein paar (passende) Tonics im Angebot haben und nicht nur eine völlig überteuertes Schweppes-Tonic (4,50 Euro für 0,2 l!!!). Der Schampus - man gönnt sich ja sonst nichts - schmeckte hingegen ganz gut. Und unterhalten konnte man sich in der Bar auch ganz gut. Und es ging nicht die ganze Zeit um die lieben Kleinen - auch mal ganz schön.
Im Batschkapp
 Als letzter Tagesordnungspunkt stand dann noch die 80er-90er-00er-Jahre-Party im Batschkapp auf dem Programm, ein Club mit sehr gemischtem Publikum (zwischen 16 und 60 alles dabei würde ich sagen), der mich irgendwie stark an die Zeltfeste auf dem Land in meiner Jugend erinnerte. Trotz Großraumdisco sehr angenehm. Die Musik sowieso. Wann habe ich das letzte Mal 2unlimited, Spice Girls, Backstreet Boys und Haddaway gehört? Als Highlight liefen teils auch noch die passenden Musikvideos im Hintergrund. Seit es Viva und MTV nicht mehr in der Form gibt, habe ich keine Videos mehr gesehen. Eine kleine Zeitreise also.
Mit "Coco Jambo" im Ohr setzten wir uns dann gegen halb drei ins Taxi. Auch wenn ich mich eigentlich auf eine ungestörte Nacht freuen hätte können - die Kombination aus alkoholischen Kaltgetränken, fremdem Hotelbett und nur vier, fünf Stunden Nachtruhe ist keine gute.
Am Sonntag ging es mir trotzdem ganz gut. Das Frühstück war hervorragend. Wir konnten den Abend nochmal Revue passieren lassen, uns in aller Ruhe verabschieden und der Braut alle guten Wünsche mit auf den Weg geben. Ihr hat der Tag übrigens auch gut gefallen.
Da mein Zug von Frankfurt nach Münster durchfahren sollte, hatte ich keinen Stress mit irgendwelchen Umstiegen und Anschlusszügen. Am Bahnhof angekommen, stand auf Gleis 6 schon der IC nach Hamburg-Altona über Münster angeschlagen. Prima. Ich also in den Zug, gucke auf die Fahrplaninformation und sehe: Dresden. Fulda??? Das kann ja nicht sein. Wieder raus. Und wirklich: Statt des IC stand der ICE nach Dresden auf Gleis 6. Die Bahn macht aber auch alles, um ihre Fahrgäste zu verwirren. Zwei Minuten später erst die Ansage, dass der Zug nach Hamburg auf dem gegenüber liegenden Gleis einfährt. Puh! Das wäre ja was gewesen.

Ich bin dann doch noch pünktlich um 16 Uhr in Münster angekommen und wurde von meinen beiden Liebsten abgeholt. Was haben wir uns gefreut! Im Nachhinein konnte ich gar nicht glauben, dass ich nur eine Nacht weg war. Und dass Joris mich nun wieder nachts zwischen eins und drei (für manchmal zwei Stunden) weckt ist nicht so tragisch. Ich hab's irgendwie vermisst :-)

Was noch zu erwähnen wäre:

  • Das Baby kam selbstverständlich nicht mit in die Disco
  • Frankfurt hat eine sehr schöne Altstadt
  • Und sehr viele japanische Touristen (war mir vorher nicht so bewusst) 
  • Gin Tonic für 15 Euro schmeckt nicht besser als für 5,50
  • Man braucht kein Geographie-Studium für Städte mit S- und U-Bahn - hilfreich ist es aber schon
  • Lustig, dass Münster sich immer wieder für sehr großstädtisch hält
  • Zugfahren ist eigentlich ganz entspannt - wenn alles klappt (und man nicht mit Kegel- oder Knobelclubs oder Junggesellenabschieden im Wagen sitzt)
  • Das Baguette wurde nicht aufgegessen

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